newsletter
Pl
De



 
28. Jahre Kreisauer Versöhnungsmesse PDF Drucken E-Mail

12. November 1989: Auf dem Hof des historischen Schlosses in Kreisau (Krzyżowa) wurde eine Messe gefeiert, während der Premier Tadeusz Mazowiecki und Kanzler Helmuth Kohl sich als Zeichen der Versöhnung die Hände reichten. Bestimmt ahnten nicht viele Anwesende, das der Gottesdienst, an dem sie teilnahmen, in Erinnerung bleiben wird. Denn hier ereignete sich ein entscheidender Moment der Vollendung langjähriger Anstrengungen vieler unabhängiger Kreise in den deutsch-polnischen Beziehungen und eine Zäsur im Aufbau einer vorbildhaften Beziehung zwischen Ländern, die sich früher feindselig gegenüber standen.

Heute, zum 28. Jahrestag dieses Ereignisses, erinnern wir unter Zuhilfenahme historischer Fotos und Film an diese bedeutende Messe.

fot: Andrzej Ślusarczyk






Als erster kam nach Kreisau Ministerpräsident Mazowiecki, der nach Breslau mit der Bahn angereist war und den weiteren Teil des Weges mit dem Auto zurückgelegt hatte. Auf dem Platz in Kreisau erschien er eine halbe Stunde vor dem Bundeskanzler, der mit der ihn begleitenden Delegation und Journalisten nachts aus Warschau aufgebrochen war. Bevor sich der Bundeskanzler und der Ministerpräsident zum Platz aufmachten, begaben sie sich in die an die Mauern des Gutes angrenzende Sankt-Michaels-Kirche, wo sie sich in Stille dem Gebet widmen und eine zu diesem Anlass vorbereitete Ausstellung über die Geschichte des Dorfes Kreisau und dessen berühmteste Bewohner anschauen konnten. Nachdem die beiden Regierungsvertreter sich ins Kirchenbuch eingetragen hatten, machten sie sich auf den Weg zu dem im Zentrum der Bebauung gelegenen Platz, wo sie mit Ovationen von den dort versammelten Gläubigen empfangen wurden. Die Menge skandierte „Helmut!, Helmut!”. Es wurde auch Ministerpräsident Mazowiecki zugejubelt. Über der Menschenmenge wehten polnische und deutsche Fahnen sowie zahlreiche Spruchbänder in polnischer und deutscher Sprache. Vor dem Altar wurden die Gäste nach altem, polnischem Brauch mit Brot und Salz begrüßt. Grußworte an die Versammelten richtete Pfarrer Bolesław Kałuża. Nachdem alle ihre Plätze auf dem Altarpodium eingenommen hatten, warteten sie auf den Beginn des Gottesdienstes. In Richtung des Altars setzte sich ein Zug polnischer und deutscher Geistlicher in Bewegung. Die Messe wurde unter dem Vorsitz Bischof Alfons Nossols gefeiert. Auf der polnischen Seite wurde sie von Pfarrer Bolesław Kałuża und Weihbischof Tadeusz Rybak, der die Breslauer Diözese vertrat, auf der deutschen Seite – von Prälat Paul Bocklett und Adalbert Kurzeja (Abt der Benediktinerabtei Maria Lach) konzelebriert.

Die Messe wurde vereinbarungsgemäß in polnischer und deutscher Sprache gehalten. Die auf dem Platz versammelten Gläubigen erhielten kleine Broschüren mit Gebeten und Gesängen in beiden Sprachen. Dadurch konnten sie an der Liturgie der Heiligen Messen aktiv teilnehmen.