30. Jubiläum der Versöhnungsmesse in Kreisau

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Sehr geehrte Damen und Herren,

statt Versöhnung herrscht Wut. Trauer und Beleidigung. Vorwürfe und Angst. Eine Seite gegen die andere, Bruder gegen Bruder und Stamm gegen Stamm. Auf der einen Seite ein Gefühl von Verletzung und Verlust von etwas, das einem zusteht. Auf der anderen Seite Angst, schlechtes Gewissen und die schlafraubende Frage: Wird er mir jemals vergeben? Werden unsere Beziehungen jemals wieder auf den richtigen Pfad zurückkehren? Kann es nach dem Leid, das ich angerichtet habe, zwischen uns wieder gut werden?

Die Geschichte kann nicht zurück gedreht werden. Das ist sicher. Der Weg, den unsere Beine gegangen sind, liegt immer hinter unserem Rücken, mit allem, was uns unterwegs passiert ist. Sowohl mit schönen und atemberaubenden Aussichten als auch mit den Tiefen, den tragischen Momenten und Erfahrungen. Die beiden Brüder, an deren Emotionen und Zweifel ich uns erinnern möchte, mussten dies genau verstanden haben. Wir finden ihre Geschichte bereits am Anfang der Bibel.

Wenn ich heute, am 30. Jahrestag der Versöhnungsmesse in Kreisau auf dieses historische Ereignis der deutsch-polnischen Aussöhnung zurückblicke, so bin ich mehr und mehr der Überzeugung, dass es sich nicht durch diplomatisch-politische Faktoren erklären lässt. Auf dieses Ereignis treffen mit vollstem Recht die Worte Vaclav Havels zu, als er Papst Johannes Paul II, fünf Monate nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, im April 1990 in Prag begrüßte: »Ich weiß nicht, ob ich weiß, was ein Wunder ist. Trotzdem wage ich zu sagen, dass ich eben ein Wunder erlebe.«

Am Tag der deutsch-polnischen Versöhnungsmesse am 12. November 1989 in Anwesenheit des Bundeskanzlers der Bundesrepublik, Helmut Kohl, und von Premier Tadeusz Mazowiecki, waren seit dem Fall der Berliner Mauer gerade drei Tage vergangen. Die staatlichen Strukturen und der Machtapparat der DDR bestanden unverändert. An der Spitze des polnischen Staates stand immer noch ein Mann Moskaus. In beiden Ländern waren immer noch Sowjettruppen stationiert. Die weitere politische Entwicklung war unvorhersehbar und schloss auch ein militärisches Szenario nicht aus. In meiner Predigt sprach ich davon, wie schwierig dieser Besuch aus politischen Gründen sei, denn er beziehe sich doch auf die Nachbarn mitten im Herzen Europas. Und ich verwies darauf, dass die wahrhaft historische Dimension dieses Treffens darin liege, dass es sich im Kontext der liturgischen Feier vollziehe. Denn in der Liturgie vergegenwärtigt sich auf sakramentale Weise das Werk der Versöhnung des Menschen mit Gott, mit sich selbst und mit den anderen sowie mit der gesamten Schöpfung. Wenn die Wunden zu schmerzhaft, die Gräben zu tief sind, kann einzig die Vergebungsgnade unseres Erlösers und Versöhners das Wunder einer gerechten und beständigen Aussöhnung bewirken.

Die Jubiläumsfeiern hatten internationalen und ökumenischen Charakter. Die Jubiläumsfeiern begannen mit einer feierlichen Heiligen Messe, um an die Ereignisse vom 12. November 1989 zu erinnern.

Wie vor 30 Jahren, am 12. November 1989, wurde die Liturgie von Erzbischof Alfons Nossol geleitet. Die Konzelebranten der Heiligen Messe waren Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg, Maximilian-Kolbe-Stiftung), Erzbischof Wiktor Skworc (Katowice, Maximilian-Kolbe-Stiftung) und Bischof Ignacy Dec. Zur Teilnahme wurden auch Geistliche der evangelisch-augsburgischen Kirche eingeladen – u. a. Bischof Waldemar Pytel (Diecezja Wrocławska Kościoła Ewangelicko-Augsburskiego), der in seiner Rede die Bedeutung der Versöhnung und die Notwendigkeit betonte, um jederzeit den Frieden zu suchen.

Wir empfehlen eine Fotoreportage von Wiktor Bąkiewicz.

"Magazyn Dolnośląski" (TVP3 Wrocław) hat einen Bericht über die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Versöhnungsmesse erstellt.

Im Program sprachen die freiwillige Mitarbeiterinnen der Stiftung Kreisau über die Internationale Jugendbegegnungsstätte, die versucht, das Erbe der Versöhnungsmesse und des Kreisauer Kreises in die Sprache der Jugend zu übersetzen.

Wir empfehlen die Sendung "Magazyn Dolnośląski" vom 17. November: https://wroclaw.tvp.pl/34020991/magazyn-dolnoslaski?fbclid=IwAR1kv67bsHyT7qoU4zYBpHHm6xFC2eOFKHO6tDI1wJhBfdESnmjHaiyeC1k

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